17.10.2022 - Annette Lippstreu (DBS/BSSA)

WM Rollstuhlrugby – Rang zehn mit viel Entwicklungspotential

(DBS/BSSA, 17.10.2022) Den angestrebten Einzug ins Viertelfinale hat das deutsche Rollstuhlrugby-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft im dänischen Vejle zwar knapp verpasst und am Ende Rang zehn belegt. Dennoch deutete die junge Mannschaft von Cheftrainer Christoph Werner immer wieder das Potenzial an und unterstrich die gute Entwicklung. Gegen Paralympics-Sieger Großbritannien präsentierte sich Deutschland in der Vorrunde sogar auf Augenhöhe, zeigte während des Turniers sowohl viele gute Leistungen - aber auch, woran es noch fehlt.

•	Jens Sauerbier (l.) im WM-Einsatz für das deutsche Team
• Jens Sauerbier (l.) im WM-Einsatz für das deutsche Team

•	Steffen Wecke (r.) kämpft für die deutsche Nationalmannschaft
• Steffen Wecke (r.) kämpft für die deutsche Nationalmannschaft
„Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wenngleich wir über das Ergebnis mit Platz zehn enttäuscht sind. Wir haben uns im Vergleich zur EM im Februar weiterentwickelt, so dass ich fest davon ausgegangen bin, dass wir es ins Viertelfinale schaffen und uns in die Top Acht der Welt spielen. Das ist uns leider nicht gelungen. Wir haben trotzdem gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind und dass mit Deutschland zu rechnen ist“, resümiert Cheftrainer Christoph Werner und fügt an: „Man kann den Jungs und Mädels keinen Vorwurf machen, sie haben tolle Spiele gezeigt und hervorragende Arbeit geleistet.“

Das deutsche Team, das neben erfahrenen Spielern, wie Jens Sauerbier und Steffen Wecke (beide SV Eiche 05 Biederitz) mit vielen neuen Gesichtern antrat, zeigte, welches Potential in ihm steckt. Dabei war der Start in die Gruppenphase denkbar schwer mit Duellen gegen Tokio-Silbermedaillengewinner USA und Paralympics-Sieger Großbritannien an einem Tag. Gegen die USA verkaufte sich die Mannschaft achtbar und unterlag mit 45:56. Noch besser präsentierte sich Deutschland gegen Großbritannien, war mit dem Paralympics-Sieger nicht nur auf Augenhöhe, sondern führte die gesamte Partie. Erst am Ende drehten die Briten das Spiel und gewannen 55:52. „Das war eine Megaleistung des gesamten Teams. Das ist das erste Mal seit 2009, dass wir so nah dran waren, Großbritannien zu schlagen“, betont Werner. Nach einem deutlichen 52:43-Erfolg gegen die Schweiz, bei dem Steffen Wecke als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde, musste ein weiterer Sieg gegen Neuseeland her, um ins Viertelfinale einzuziehen. Es entwickelte sich eine hart umkämpfte und spannende Partie – mit dem besseren Ende für Neuseeland, das knapp mit 50:46 gewann. Gegen Europameister Frankreich verlor Deutschland das letzte Gruppenspiel deutlich und verpasste damit die Runde der besten acht Mannschaften. Im Crossover-Spiel gegen Brasilien setzte sich die Auswahl von Christoph Werner dann souverän durch (53:42), zog jedoch im Spiel um Platz neun den Kürzeren gegen Kolumbien (49:55).

So belegte Deutschland am Ende Rang zehn. „Wir haben uns bei der WM viel Respekt erarbeitet. In den entscheidenden Spielen und Phasen müssen wir noch lernen, die Nerven zu behalten. Wir werden das Turnier genau analysieren und unsere Schlüsse daraus ziehen, woran wir künftig noch intensiver arbeiten werden“, erklärt Cheftrainer Werner und blickt schon voraus: „Unser nächstes Ziel ist die Europameisterschaft in Cardiff im Mai 2023. Unser Ziel ist dabei die direkte Qualifikation für die Paralympics 2024 in Paris. Bei der EM erhalten die beiden Finalisten Tickets für Paris 2024. Sollte es Gastgeber Frankreich ins Endspiel schaffen, profitiert der Drittplatzierte. Geht das deutsche Team bei der EM leer aus, gibt es noch eine letzte Chance beim Qualifikationsturnier im Frühjahr 2024.

„Momentan überwiegt natürlich die Enttäuschung über das Endergebnis, zumal wir Kolumbien auch schon mehrmals geschlagen haben. Mit etwas Abstand werden wir hoffentlich realisieren, dass wir einen Schritt näher an die Weltspitze herangekommen sind“, resümiert Jens Sauerbier.

Aus deutscher Sicht endete die WM mit einer großen Ehre für Josco Wilke. Der 21-jährige Leipziger wurde als bester 2.0-Spieler der Weltmeisterschaft ausgezeichnet und ins Allstar-Team berufen.
Der Weltmeistertitel ging an Australien vor den USA und Japan.