20.10.2022 - Frank Löper

Energiekrise: Sportvereine blicken sorgenvoll auf den Winter

Das digitale Austauschformat zur Energiekrise wurde sehr gut angenommen.
Das digitale Austauschformat zur Energiekrise wurde sehr gut angenommen.
Die aktuelle Energiekrise trifft alle Bereiche der Gesellschaft. Nicht nur Wirtschaftsunternehmen und Privathaushalte leiden unter den hohen Energiepreisen, auch die Sportvereine blicken sorgenvoll auf den Winter. Aufgrund der aktuellen Brisanz des Themas hatte der LSB Sachsen-Anhalt am 19. Oktober zu einem digitalen Vereinsaustausch eingeladen, um mit Vereinen und Verbänden ins Gespräch zu kommen. Das fast zweistündige Online-Meeting startet mit aktuellen Informationen seitens des DOSB und des LSB und bot viel Gelegenheit und Zeit zum Austausch.

Maike Weitzmann, Referentin Sportstätten, Umwelt und Nachhaltigkeit beim DOSB, erläuterte zum Einstig ins Thema die aktuelle Entwicklung der Energiepreise und wie der DOSB seine Mitgliedsorganisationen zum Thema unterstützt. Die Angebote reichen vom Maßnahmenkatalog zum Einsparen von Energie über die aktive Lobbyarbeit auf Bundesebene bis hin zur Sammlung von Daten in Form einer Vereinsumfrage für die Untermauerung der sportpolitischen Forderungen. Alle Informationen hat der DOSB auf einer Themenseite unter www.dosb.de zusammengestellt.

DOSB und Landessportbünde gemeinsam haben Bund und Länder aufgefordert, bei der Ausgestaltung von finanziellen Hilfspaketen die Sportvereine nicht zu vergessen. Ganz konkret fordern sie von der Politik eine Deckelung der Energiepreise und die Einbeziehung des Sports unter den Rettungsschirm. Auch LSB-Präsidentin Silke Renk-Lange hatte sich im Vorfeld der Bund-Länder-Beratungen Ende September mit einem Brief an den Ministerpräsenten des Landes Dr. Reiner Haseloff gewandt.
„Es zeichnet sich ab, dass die aktuelle Energiekrise die Sportvereine in Sachsen-Anhalt vor größere Herausforderungen stellen wird als die Corona-Pandemie. Die stark steigenden Energiepreise werden spätestens mit Beginn der Heizperiode negative Folgen für das Betreiben der Sportanlagen haben und die Finanzen vieler Vereine in Schieflage bringen“, brachte sie die Sorgen der Vereine zum Ausdruck. Sie forderte den Ministerpräsidenten auf, Maßnahmen zur Entlastung des organisierten Sports auf Bundesebene einzubringen und zu beschließen. Als einen ersten Hoffnungsschimmer sieht sie, dass Sportvereine in einem Koalitionspapier der Bundesregierung erstmals explizit erwähnt werden und wie auch Schulen und Krankenhäuser in den Rettungsschirm aufgenommen werden, der eine Strompreis- und eine Gaspreisbremse mit staatlich subventionierten Basisverbräuchen beinhalten soll.

„Wir brauchen keine Sparpläne und Absichtserklärungen, wir brauchen kurzfristig finanzielle Hilfe“ brachte Lothar Müller, Vereinspräsident der Kegler des SKV Rot-Weiß Zerbst die Sorgen vieler Vereine zum Ausdruck. Der elffache Mannschaftsweltpokalsieger im Kegeln betreibt in Zerbst eine eigene Kegelbahn. Erst vor einem Jahr grundlegend saniert und mit neuester energiesparender Technik ausgestattet, gehen für den Verein dennoch die Betriebskosten durch die Decke. Lothar Müller appelliert an die Politik, die Vereine nicht im Stich zu lassen. Auch Uwe Hamann vom SV Blau-Gelb Ausleben aus dem Bördekreis, berichtet von stark gestiegenen monatlichen Abschlagszahlungen für Energie (mehr als Verdreifachung), die seinen Verein in Not bringen. „Wir sparen bereits wo es nur geht, aber es gibt momentan nicht einen plausiblen Lösungsansatz, der uns helfen würde“, beklagt auch er die Situation. So wie den Zerbster Keglern und den Fußballern aus Ausleben geht es vielen Sportvereinen, die Sportanlagen in Vereinseigentum oder mit Pachtverträgen betreiben. Bei ihnen kommen die Energiekostenrechnungen direkt an.

Beim überwiegenden Teil (ca. 80 %) der ca. 3.900 Sportstätten im Land handelt es sich um kommunales Eigentum. Die Sportvereine werden je nach Landkreis oder Kommune in unterschiedlicher Weise an den Betriebskosten beteiligt. Und auch hier gibt es die ersten Hilferufe. Patrick Breitmann vom Stadtsportbund Dessau berichtet über das Abstellen des warmen Wassers zum Duschen beim PSV Dessau. Das bringt den Verein in die missliche Lage, die Auflagen der Fachverbände für den Punktspielbetrieb der höherklassigen Mannschaften nicht gewährleisten zu können. Das wiederum kann Strafen nach sich ziehen. Anderenorts, wie zum Beispiel im Landkreis Jerichower Land sieht sich die Gemeinde Möser gezwungen, die Erhöhung der Betriebskosten für die kommunale Sporthalle an die Vereine, in dem Fall an den Radfahrerclub Lostau, weiterzureichen.

Beim Online-Meeting wurde aber nicht nur geklagt, es gab auch kreative Lösungsansätze. Uwe Grenzau, Geschäftsführer des Kreisportbundes Salzland, sieht die Lage realistisch: „Wir dürfen nicht warten bis uns irgendjemand hilft.“ Er empfiehlt seinen Vereinen, direkt auf die Kommunen zuzugehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wie die aussehen können? „Wir müssen schauen, ob vielleicht mehrere Mannschaften zur gleichen Zeit in der Halle trainieren können oder ob Sportgruppen vielleicht sogar vereinsübergreifend gemeinsam trainieren können“, bringt Grenzau zwei Beispiele. Ähnlich sieht es Jana Geißler-Möbius, Geschäftsführerin der SG Germania 08 Roßlau: „Wir müssen unsere Sportangebote bündeln und damit die Auslastung der Sportanlagen verbessern. Auch das zählt zum Energiesparen. “ Und sie sieht ihren Verein auch in der gesellschaftlichen Verantwortung. „Wir müssen gucken, dass es weitergeht und das Beste aus der Situation machen. Es gibt aktuell so viel sozialen Sprengstoff, da brauchen unsere Mitglieder einen Rückhalt. Sie brauchen ihren Verein!“

Am Ende der Veranstaltung waren sich ca. 50 Teilnehmenden einig: der Austausch war wichtig und soll fortgesetzt werden. LSB-Vorstandsvorsitzender Tobias Knoch verspricht: Wir werden unsere Vereine, wie schon in der Corona-Pandemie, so aktuell es geht informieren, sobald es Konkretes zur Ausgestaltung der Energiepreisbremse gibt.“ Er forderte alle Verein auf, ihre Probleme mit den Energiekosten dem LSB zu melden und konkret in Zahlen und Fakten zu benennen. „Je mehr Beispiele wir haben, umso besser können wir öffentlichkeitswirksam dafür kämpfen, dass die Vereine in der Energiekrise nicht vergessen werden“, so Knoch.

Eure konkreten Probleme mit den Energiekosten könnt ihr dem LSB Sachsen-Anhalt melden unter: energiekrise@lsb-sachsen-anhalt.de